Judo

Nachdem ich das Gefühl hatte, daß mir beim Aikido auf die Dauer etwas fehlt, habe ich im Sommer 2000 mal beim Judo-Training vorbeigeschaut und bin (mit immer noch wachsender Begeisterung) dabeigeblieben.

Vordergründig ist Judo ein Wettkampfsport, bei dem es darum geht, den Gegner durch Würfe, Haltegriffe, Hebel oder Würgetechniken zu besiegen. Das Regelwerk ist relativ streng und nicht einfach zu überschauen, es wurden allerdings im Laufe der Zeit alle verletzungsgefährlichen Techniken und Praktiken verboten, so daß Judo für eine Vollkontaktkampfsportart relativ ungefährlich zu betreiben ist. Das heißt allerdings nicht, daß die Techniken im Ernstfall nicht wirken - ein gut angesetzter Würgegriff bedeutet ein sanftes, aber unaufhaltsames K.O. innerhalb von Sekunden, und nach einem harten Wurf auf Asphalt darf der Geworfene erst mal seine Knochen durchzählen.

Im Gegensatz zu Aikido, daß den Einsatz von Körperkraft prinzipiell verpönt und vom Werfenden verlangt, daß er immer in einer stabilen, stehenden Position bleibt, gilt im Judo das allgemeinere Prinzip der "maximalen Effektivität". Das heißt, man tut, was man tun muß, um den anderen zu werfen, das allerdings möglichst elegant und kräftesparend. Wenn es erforderlich ist, sich selbst fallen zu lassen, um seine ganze Masse einzusetzen, dann tut man das. Wenn man beim Wurf auf den Geworfenen drauffällt, ist es auch nicht schlimm. Im Gegenteil: man kann die Position ausnützen, um nahtlos in den Bodenkampf überzugehen.

Der Bodenkampf ist gewöhnungbedürftig, man verbringt die ersten Monate damit, in eine Falle nach der anderen zu tappen, bevor man ungefähr herausbekommt, was man tun und lassen sollte. Es macht allerdings höllisch Spaß, ist ein hervorragendes Ausdauertraining (es gibt kaum etwas, das einen innerhalb von zwei Minuten so fertig macht wie Boden-Randori, also der Trainingskampf), und es ist viel mehr Technik und Können dabei, als man beim ersten Hinschauen vermutet.

Natürlich ist Judo von seinen Wettkampfregeln geprägt und insofern noch nicht eins zu eins als Selbstverteidigungskunst zu verwenden. Schläge und Tritte und die zugehörigen Verteidigungstechniken spielen keine Rolle, und man kann auch nicht immer davon ausgehen, daß ein Gegner im "echten Leben" einen robusten Kittel trägt, den man zum Festhalten und Würgen missbrauchen kann. Die unterrichteten Techniken sind andererseits auch wettkampferprobt, das heisst, sie funktionieren auch bei Leuten, die wissen, was kommt, und es verhindern wollen. Außerdem ist das Training eine gute Schulung für Kraft, Ausdauer, Improvisationsfähigkeit und Kampfgeist.


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